Das ging ja mal nach hinten los. Nur wenige Wochen nachdem Facebook den „Messenger Kids“ in den USA veröffentlicht hat, stellt sich heraus, dass der gar nicht so toll ist, wie Facebook selbst behauptet. Die guten Bewertungen waren gekauft und Jugendschutzorganisationen wurden im Vorfeld umgangen!

Einige Fakten über die Kinder-App zum Chatten:

  • Die Eltern müssen über ihren eigenen Facebook-Account jedem Kontakt zustimmen. So können Kinder nicht mehr mit Fremden chatten. Aber Vorsicht: Eltern übernehmen hier eine massiv kontrollierende und überwachende Rolle ein. Wichtiger wäre hier, wenn Eltern und Kinder gemeinsam darüber reden, was passieren kann, wenn man mit Fremden chattet. Dass es z.B. zu Cybergrooming, Cybermobbing oder Stalking kommen kann. Dass es sich bei den Nutzer.innen um Fake-Profile handeln könnte, eventuell auch um Pädophile, die sich als jemand anderes ausgeben.
  • Kinder können in der App nichts löschen. Dadurch können Eltern auch die Kontrolle über die Inhalte behalten. Aber: Das ist furchtbar! Es gehört zur guten Entwicklung von Kindern, dass sie auch Geheimnisse haben dürfen! Sie müssen sich selbst ein bisschen ausprobieren und die Eltern müssen nicht immer alles wissen. Von Privatsphäre für Kinder kann man hier nicht sprechen.
  • In der App wird keine Werbung angezeigt und somit auch keine Profilanalysen anhand von Werbung erstellt. Deshalb soll sie für Kinder besonders geeignet sein. Aber: Selbstverständlich speichert Facebook etliche andere Daten und wertet diese aus. Facebook gehört ja auch schon seit ein paar Jahren mit Instagram zusammen, die App, die von den meisten Jugendlichen genutzt wird. Natürlich hat Facebook ein Interesse daran, die Profile aus beiden Diensten zusammenzulegen, um noch bessere Analysen über die Nutzer.innen vornehmen zu können.
  • Wieso entwickelt Facebook eine Chat-App für Kinder? Ist doch klar: Die Nutzung von Facebook ist erst ab 13 Jahren erlaubt und wird aber eher von älteren Personen/Erwachsenen genutzt. Instagram wird von Jugendlichen genutzt. Hier können also schon viele Daten gesammelt werden… was noch fehlt sind die Daten von Kindern. Deshalb soll sich die neue Facebook-App an Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren richten.
  • Facebook hätte sich bei der Entwicklung der App mit Jugendschutzorganisationen zusammentun müssen, um sie wirklich kindgerecht anzupassen. Das ist aber nicht geschehen. Facebook hat sich erst kurz vor dem Launch der App (also kurz vor Veröffentlichung, nachdem die App schon entwickelt war) an die Organisationen „Common Sense Media“ und „Commercial Free Childhood“ gewandt. Das war natürlich alles Taktik von Facebook, denn wenn die App erst einmal veröffentlicht ist und Facebook dann Kritik dafür bekommt, können die Entwickler immer wieder sagen „Ja, ja, wir werden die Probleme beheben.“ Während dessen bekommt die App aber schon ihre gewünschte Aufmerksamkeit. Die Jugendschutzorganisationen haben die Kinder-App übrigens gleich acht Wochen, nachdem die App auf dem Markt war, als Beeinträchtigung für die Entwicklung von Kindern eingestuft. Sie sind also der Meinung, dass die App Kindern schadet.
  • Und zu guter Letzt: Das US-amerikanische Magazin „Wired“ berichtet nun, dass die guten Bewertungen der App gekauft waren. Es gab Unternehmen, die Geld dafür bekommen haben, damit sie eine gute Bewertung über die App schreiben. Da stellt sich doch die Frage: Hatte Facebook die gekauften Bewertungen so dringend nötig, weil die App so schlecht für Kinder ist? Oder wollten Sie der Beliebtheit der App nur ein wenig nachhelfen? – Ganz egal, was Facebook sich dabei gedacht hat: Das war ein Griff ins Klo!

Kleine Info: In Deutschland gibt es die Kinder-App bisher noch nicht.

Quellen:

https://www.morgenpost.de/web-wissen/web-technik/article212735465/Messenger-Kids-Facebook-bringt-Chat-App-fuer-Kinder-heraus.html

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/facebook-kinder-app-101.html

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Bild: CC0 Public Domain (»Creative Commons)